Kundalini-Meditation
Kundalini-Meditation ist ein Teil des Kundalini Yoga. Sie arbeitet mit Atemtechniken, Mantras, Handhaltungen und teils mit Bewegung. Das unterscheidet sie deutlich von stillen Sitzmeditationen.
Der Begriff
Kundalini bezeichnet in tantrischen und yogischen Traditionen Indiens eine Energie, die am unteren Ende der Wirbelsäule ruhen und durch Übungen geweckt werden soll. Diese Vorstellung ist eine Lehre der Tradition, keine physiologisch belegte Tatsache. Wer Kundalini-Meditation übt, muss sie nicht teilen, um von den Übungen selbst zu profitieren.
Herkunft des heutigen Kundalini Yoga
Das im Westen verbreitete Kundalini Yoga geht vor allem auf Yogi Bhajan zurück, der ab 1969 in den USA unterrichtete. Es verbindet Elemente des Yoga mit Praktiken aus dem Sikhismus. Seit 2020 wurden durch Berichte ehemaliger Schülerinnen und Schüler schwere Vorwürfe gegen Yogi Bhajan bekannt, darunter Missbrauch. Viele Lehrerinnen und Lehrer haben sich seitdem mit diesem Erbe auseinandergesetzt, manche distanzieren sich ausdrücklich von ihm.
Typische Elemente
- Atemtechniken: etwa der Feueratem, ein schnelles, rhythmisches Atmen durch die Nase.
- Mantras: gesungene oder gesprochene Silben und Sätze.
- Mudras: Handhaltungen, die während der Meditation eingenommen werden.
- Bewegung: wiederholte Bewegungen im Sitzen, etwa Drehungen der Wirbelsäule.
- Stille: am Ende einer Übung, oft in Shavasana.
Die Übungen werden als Kriyas bezeichnet, festgelegte Folgen mit bestimmter Dauer.
Eine einfache Übung
Eine ruhige Form, die ohne intensive Atemtechniken auskommt:
- Aufrecht sitzen, Augen geschlossen.
- Daumen und Zeigefinger berühren sich, die Hände liegen auf den Knien.
- Langsam und tief durch die Nase einatmen, innerlich eine Silbe denken, etwa „Sat“.
- Langsam ausatmen und eine zweite Silbe denken, etwa „Nam“.
- Drei bis elf Minuten fortsetzen.
- Zum Abschluss einige Atemzüge ruhig sitzen.
Wirkung
Zu Kundalini-Meditation im Speziellen gibt es nur wenige Studien. Die Elemente, langsames Atmen, wiederholtes Mantra und Konzentration, ähneln denen anderer Meditationsformen, für die Effekte auf Stressempfinden beschrieben sind. Von Versprechen über erweckte Energien oder Heilung sollte man sich nicht leiten lassen.
Einordnung
Kundalini-Meditation ist lebendiger und vielfältiger als stille Sitzmeditation. Manche Menschen finden gerade darüber Zugang zur Meditation, weil Bewegung und Klang den Geist beschäftigen. Andere empfinden die Mantras und Rituale als fremd. Für einen schlichten Einstieg eignen sich die Tipps für Meditation. Einen Überblick über die Yogastile gibt Yoga-Arten im Überblick.