Meile & Matte

Yoga-Prinzipien für den Marathon im Kopf

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit · Laufen

Der Marathon ist zu einem guten Teil eine Kopfsache. Viele Ideen aus der Yoga-Philosophie passen erstaunlich gut zu dem, was in den letzten zehn Kilometern gefragt ist.

012345678910111213141516Streckenprofil, 16 km (schematisch)

Mehr als Körperübungen

Yoga ist in seiner Tradition mehr als eine Folge von Haltungen. Im Yoga Sutra des Patanjali, einem der wichtigsten klassischen Texte, spielen die Körperhaltungen nur eine kleine Rolle. Es geht vor allem um den Umgang mit dem eigenen Geist. Patanjali beschreibt einen achtgliedrigen Pfad, zu dem ethische Grundsätze, Atemarbeit, das Zurückziehen der Sinne, Konzentration und Meditation gehören.

Einige dieser Gedanken lassen sich gut auf den Ausdauersport übertragen, ohne dass man sich deshalb mit der Philosophie im Ganzen beschäftigen muss.

Ahimsa: nicht verletzen

Der erste ethische Grundsatz heißt Ahimsa, Gewaltlosigkeit. Er gilt auch gegenüber sich selbst. Für Läufer bedeutet das: nicht durch Schmerzen hindurchtrainieren, keine Wochenumfänge erzwingen, die der Körper nicht verkraftet. Das ist kein Freibrief für Bequemlichkeit, sondern die Erinnerung daran, dass gutes Training langfristig angelegt ist.

Abhyasa und Vairagya: Übung und Gelassenheit

Im Yoga Sutra werden zwei Prinzipien als Grundlage genannt: beständige Übung und Loslassen, oft auch als Gelassenheit oder Nicht-Anhaften übersetzt. Für den Marathon heißt das: Monate konsequenten Trainings, aber ohne sich an eine bestimmte Zielzeit zu klammern. Wer am Renntag bei Gegenwind oder Hitze stur an seiner Plan-Pace festhält, wird es in den letzten Kilometern bereuen.

Santosha: Zufriedenheit

Zufriedenheit mit dem, was ist. Nach einem Wettkampf, der nicht nach Plan lief, ist das schwer. Es kann helfen, den Blick auf das zu richten, was gut war: die Monate der Vorbereitung, das Durchhalten, das Ankommen.

Drishti: der Blickpunkt

In manchen Yoga-Stilen wird für jede Haltung ein Blickpunkt festgelegt. Das sammelt die Aufmerksamkeit. Beim Laufen kann ein Blickpunkt einige Meter voraus helfen, bei sich zu bleiben, statt sich von anderen Läufern ablenken zu lassen.

Üben, bevor es zählt

Diese Haltungen entstehen nicht am Renntag. Sie werden in langen Trainingsläufen, in Yogastunden und im Alltag geübt. Wer bei jedem langen Lauf ein paar Kilometer bewusst beobachtet, wie die Gedanken arbeiten, hat am Renntag Werkzeuge zur Hand. Hinweise dazu stehen unter achtsame Meilen.

Ehrgeiz bleibt erlaubt

Gelassenheit heißt nicht, ohne Ziel zu laufen. Ein klares Ziel motiviert und strukturiert das Training. Der Unterschied liegt darin, wie man reagiert, wenn es anders kommt. Die praktische Seite der Vorbereitung, von den langen Läufen bis zum Tapering, beschreibt Marathon-Vorbereitung.

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